Nachgedacht

Impulse, Gedankenanstöße und Andachten zum Weitergeben und Selbstgenießen.

Blumen zu Fabis Beerdigung
Bildrechte: Yvonne Meier

Nachgedacht habe ich in der letzten Woche sehr viel. Am Montag hat mich meine Mutter angeschrieben. Wenn ich Zeit habe, soll ich sie anrufen, es sei wichtig. Am Telefon dann die Frage: „Hast du schon die Nachricht aus Marktredwitz gehört?“ -Stille- „Weil, also. Fabi lebt nicht mehr.“ Ich schweige. Ich kann diese Worte nicht verstehen. Dieser Satz macht keinen Sinn. Sie sagt weiter: „Am Donnerstag ist die Beerdigung. Wirst du kommen? Ich kann dich am Bahnhof abholen.“ Ich stimme zu. Donnerstag sitze ich im Zug nach Marktredwitz.

Zwischen dem Telefonat am Montag und der Zugfahrt habe ich viel nachgedacht. Über Fabi. Über seinen Entschluss. Über die EJ Fichtelgebirge und über diesen Tropfer. Denn der Tropfer steht unter dem Themenwunsch von Fabi. Rituale. In der Planung des Tropfers haben wir über Morgen- und Abendrituale gesprochen, Geburtstage und Weihnachtstraditionen, darüber, dass sonntags zum Frühstück immer jemand Brötchen holen fährt. Über Ursprünge und Geschichte von Ritualen und ihren Nutzen. Rituale geben Sicherheit. Sie sind eingeübt und gewohnt und laufen immer gleich ab. Sie sind vertraut. Rituale sind verlässlich.

Mein Fokus hat sich nach dem Anruf am Montag verschoben. Statt dem Sinnbild der Sonntagsbrötchen ziehen Beerdigungsrituale durch meinen Kopf. Vom Aussuchen der Blumen in der Gärtnerei, dem Bügeln der Bluse, dem Packen der Handtasche. Diesmal: eine Packung Taschentücher und Fisherman´s Friend. Als ich die Packung sehe, muss ich lächeln. Und schlucken. Fabi hatte sie eine Zeitlang immer bei sich. In der Hemdtasche, im Federmäppchen. In Sitzungen griff er oft danach und steckte sich einen Drops in den Mund. Er schwieg dann kurz und ließ den Minzgeschmack in seinem Mund Raum einnehmen. Heute nehme ich einen Bonbon in den Mund und lege die Packung in meine Handtasche. Ich steige in den Zug und fahre los. Angekommen auf dem Friedhof sehe ich lauter bekannte Gesichter. Gerötete Augen. Mitfühlendes Lächeln. Gemeinsam trösten wir uns.

Die Trauerfeier war würdevoll. Sie war lebendig und dankbar und sie wurde Fabi sehr gerecht. Das Bild nebenan kommt von diesem Tag. Es sind besagte Blumen aus der Gärtnerei. Ausgesucht, wie immer bei einer Beerdigung. Ein Ritual. Und diese Blumen wurden ins Grab hinzugelegt. Auch ein Ritual. Fabi wurde geehrt und gesegnet.

Das für mich das wichtigste Ritual überhaupt. Segen.

Segen steht am Ende jedes Gottesdienstes, am Ende jeder Trauerfeier, in jeder Andacht. Der Segen und der Zuspruch Gottes steht immer über Dir. Ob Du wach bist oder schläfst, gehst oder stehst, du bist immer geliebt und gesegnet. Gott spricht dir das zu im Psalm 139. Vers 5 steht: „Von allen Seiten umgibst DU mich und hältst deine schützende Hand über mir.“ Diese Worte darfst du glauben. Sie sind ein Versprechen an dich und werden mit jedem Segen bestärkt.

 

Yvonne Meier

das alte Liederbuch
Bildrechte: Yvonne Meier

Pfingsten

Ich habe in einer Kramkiste ein uraltes Buch gefunden. Ich habe es mitgenommen und zuhause angefangen, darin zu blättern. Es ist ein evangelisches Gesangbuch, aber der Vorgänger von dem jetzigen, dicken dunkelblauem. Dieses grüne Buch mit den dünnen Seiten wurde in den 1970ern gedruckt und ist für mich eine wahre Schatzkiste an Texten und Melodien. Darin ist zum Beispiel ein Lied zu Pfingsten, mit dem sich Luther 1524 beschäftigt hat:

„Komm, Gott Schöpfer, Heiliger Geist, besuch das Herz der Menschen dein, mit Gnaden sie füll, denn du weißt, dass sie dein Geschöpfe sein.

Zünd uns ein Licht an im Verstand, gib uns ins Herz der Liebe Glut, das schwach Fleisch in uns, dir bekannt, erhalt fest dein Kraft und Gunst.“

Was so hochgestochen und altbacken klingt, ist eine wunderbare Bitte um Segen und Kraft. Es geht darum, Gott zu spüren. Seine Liebe und seinen Trost, seine Lebendigkeit und alle Frische, die er uns, seinen Kindern und Geschöpfen, entgegenbringen kann. Gerade an Pfingsten erinnern wir uns, dass wir mit Gott verbunden sind. Mit dem Heiligen Geist hat er damals die Jünger mit neuer Lebensfreue erfüllt und sie beauftragt, von Gott, Jesus und seinen Wundern zu berichten. Die Jünger haben für Jesus gebrannt, sie waren erfüllt von der glühenden Liebe des Geistes. Ich stelle mir vor, wie sie gestrahlt und geleuchtet haben vor Begeisterung, als sie hinausgezogen sind in alle Welt und verkündigten.

Lasst euch von der Begeisterung der Jünger anstecken und tragt sein Licht weiter!

 

Yvonne Meier