Die Rückseite

Last but not least: Ein Schatz an Ideen und Inspirationen.

Kerzenstock
Bildrechte: Foto von Szabolcs Toth von Pexels

Rituale

In unserem Tropfer geht es diesmal um das Thema Rituale. Wir haben in der Vorbereitung des Tropfers schon viel über verschiedene Rituale sinniert, gesprochen, diskutiert. Ob der Kaffee am Morgen schon ein Ritual ist, oder wie viele Tassen man trinken muss, damit es "als Ritual zählt".  Oder ob an Weihnachten wirklich immer „Stille Nacht“ gesungen werden muss. Und ob „Last Christmas“ im Radio ein rituelles Weihnachtslied ist, weil es unermüdlich jedes Jahr ab November läuft. Wir waren in dem Punkt geteilter Meinung 😉 Weiterhin war ein Diskussionsthema, ob es einen Unterscheid zwischen Ritualen und Traditionen gibt.

In einem Punkt waren wir uns alle jedoch einig: Es ist super interessant, über verschiedene Rituale ins Gespräch zu kommen. Jeder kennt andere Traditionen, jeder hat zum Beispiel in irgendeiner Weise ein Morgenritual. Sich darüber auszutauschen, kann zu lustigen Gesprächen führen und zusammenschweißen.

Um euch diesen Austausch zu ermöglichen, und um euch dabei unter die Arme zu greifen, haben wir deshalb exklusiv für euch a) Fragen ausgearbeitet, die ihr euren Klassenkameraden, Freunden, Konfis, Nachbarn oder wem auch immer stellen könnt und b) Leuten aus den beiden Dekanaten Selb und Wunsiedel diese Fragen gestellt. Die Antworten von Dekan Pröbstl, Miriam Zöllner, Norbert Wappmann und Kim Titzmann könnt ihr weiter unten lesen.

Nehmt diese Anregung gerne mit in die nächste Jugendgruppe und sprecht über Rituale, Traditionen und die typischen „Das war schon immer so“- Situationen. Die Gemeinsamkeiten und Unterschiede, die ihr entdecken werdet, lassen euch noch enger zusammenwachsen 😊

 

Hier kommen wir zu den Fragen, die wir unseren lieben Mitwirkenden gestellt haben:

1. Wie sieht ein ganz normaler Morgen bei dir aus?

2. Gibt es bestimmte Rituale, die dich begleiten?

3. Hast du für besondere Tage (Silvester, Weihnachten, Geburtstag, Sonntag ...) ein Ritual?

4. Gibt es Rituale, die du vermisst oder vermisst hast? (-> die es gab, als Du Kind warst und die irgendwann aufgehört haben?)

5. Welches Ritual würdest du gerne an andere weitergeben?

 

 

Norbert Wappmann (Dekanat Wunsiedel) hat folgendermaßen darauf geantwortet:

1. Wie sieht ein ganz normaler Morgen bei dir aus?

 Mein Wecker klingelt schon immer einige Minuten, bevor ich aufstehen muss. Ich brauche immer das Gefühl, noch liegenbleiben zu können. Die berühmten „noch 5 Minuten“.

2. Gibt es bestimmte Rituale, die dich begleiten?

 Immer, wenn meine Tochter zu Besuch ist, bestellen wir am ersten Abend etwas beim Italiener.  Das ist unser Auftakt für eine gemeinsame Zeit und stimmt uns darauf ein.

3. Hast du für besondere Tage (Silvester, Weihnachten, Geburtstag, Sonntag ...) ein Ritual?

Ich bin nicht der Mensch, der bestimmte Tage immer gleich gestaltet. Aber das Schmücken des Weihnachtsbaumes im Advent und in aller Ruhe ist mir doch sehr wichtig. Da wird es andächtig und richtig weihnachtlich.

4. Gibt es Rituale, die du vermisst oder vermisst hast? (-> die es gab, als Du Kind warst und die irgendwann aufgehört haben?)

Als Kind war das gemeinsame Mittagessen mit der Familie am Sonntag ein "muss". Da mein Vater unter der Woche als Fernfahrer unterwegs war, waren gemeinsame Essen etwas Besonderes. Ich habe das oft genossen.

5. Welches Ritual würdest du gerne an andere weitergeben?

Ich möchte kein bestimmtes Ritual weitergeben. Trotzdem: gemeinsame Familienzeit, ob regelmäßig miteinander zu frühstücken oder ein gemeinsamer Spieleabend oder ähnliches, ist sehr wichtig. Man muss dankbar sein, seine Zeit mit seinen Liebsten verbringen zu können. Die gemeinsame Zeit kann schneller vorbei sein, als uns wirklich bewusst ist. Nutzen wir sie also lieber jetzt als später!

 

Mona Titzmann (Dekanat Wunsiedel) denkt so über Rituale:

1. Wie sieht ein ganz normaler Morgen bei dir aus?

Ich steh früh auf dann mach ich mich im Bad fertig, schminke mich direkt dann frühstücke ich was dann putz ich Zähne und dann fahr ich meistens in die Arbeit.

2. Gibt es bestimmte Rituale, die dich begleiten?

Bei mir gibt es eigentlich keine bestimmten Rituale die mich begleiten, abends bevor ich ins Bett gehe bin ich meistens noch am Handy schau instagram und so durch und geh dann danach schlafen, das mach ich meistens jeden abend so.

3. Hast du für besondere Tage (Silvester, Weihnachten, Geburtstag, Sonntag ...) ein Ritual?

Wir hatten die letzten Jahre an Weihnachten immer den gleichen Ablauf, da dieses Jahr aber alle meine Großeltern auf einmal verstorben sind wird es diesen Ablauf leider nicht mehr so geben.

4. Gibt es Rituale, die du vermisst oder vermisst hast? (-> die es gab, als Du Kind warst und die irgendwann aufgehört haben?)

Das einzige Ritual das ich vermissen werde ist Weihnachten dass ich nicht mehr mit meinen Großeltern feiern kann. Ansonsten gibt es keine aus meiner Kinderheit die es nicht mehr gibt.

5. Welches Ritual würdest du gerne an andere weitergeben?

Ich würde gerne an andere weitergeben, dass sie besondere Feiertage immer mit ihren liebsten zusammen feiern sollten um die Zeit mit ihnen zu verbringen.

 

Miriam Zöllner (Dekanat Selb) findet für ihr Leben folgende Rituale:

1. Wie sieht ein ganz normaler Morgen bei dir aus?

Am Morgen habe ich oft nicht so viel Zeit. Ich bin eher ein Langschläfer und der Tag beginnt für mich mit Kaffee. Diese zwei Minuten dasitzen, Kaffee schlürfen und die Ruhe vor dem Sturm genießen. Danach mach ich mich fertig und gehe aus dem Haus. Alles nach dem Motto „Ein Kaffee am Morgen, vertreibt Kummer und Sorgen“.

2. Gibt es bestimmte Rituale, die dich begleiten?

Wichtig ist für mich, jeden Tag mit dem Vaterunser zu beenden. Das Gebet vereint alles und begleitet mich schon seit der Wiege. Meine Mutter hat es immer mit mir oder für mich, jeden Abend gebetet. Das habe ich beibehalten, das Gebet trägt mich durch alle Lebenslagen. 😊

3. Hast du für besondere Tage (Silvester, Weihnachten, Geburtstag, Sonntag ...) ein Ritual?

Jetzt im Speziellen für Weihnachten: Weihnachten beginnt für mich, wenn im Gottesdienst das Lied „Stille Nacht, heilige Nacht“ gesungen wird. Wenn ein anderes traditionelles Lied stattdessen gesungen wird, fehlt für mich etwas.

4. Gibt es Rituale, die du vermisst oder vermisst hast? (-> die es gab, als Du Kind warst und die irgendwann aufgehört haben?)

Das gemeinsame Mittagsessen/später das Abendessen, der ganzen Familie, wo jeder von seinem schönsten Erlebnis vom Tag erzählt hat. -> Jetzt lebe ich allein und reflektiere den Tag für mich selbst.

5. Welches Ritual würdest du gerne an andere weitergeben?

Genau dieses tägliche Ritual des Erzählens von seinem schönsten Erlebnisses am Tag, lässt die Dinge, die nicht gut gelaufen sind, aus dem Vordergrund rücken. Diese Möglichkeit habe ich meinen SchülerInnen im Religionsunterricht auch gegeben, da ich weiß, wie gut es tun, den Blick auf das Positive zu lenken. Das möchte auch ich auch weitergeben, einmal am Tag darüber nachdenken, was ist heute besonders gut gelaufen!

 

Dekan Volker Pröbstl (Dekanat Selb) denkt über Rituale so:

1. Wie sieht ein ganz normaler Morgen bei dir aus?

Wenn um 6 in der Früh die Glocken der Stadtkirche läuten, werde ich normalerweise wach.
Dann habe ich Zeit, um in mich zu gehen, mich zu sammeln und mich Gott anzuvertrauen.
Aufstehen muss ich um sechs noch nicht. Das kommt später.


2. Gibt es bestimmte Rituale, die dich begleiten?

Eigentlich ist der ganze Morgen ein festes Ritual, oder besser ein routinierter Ablauf:
Ich mache ganz gerne das Frühstück, Obstschneiden, Kaffeekochen...
Vermutlich habe ich noch mehr "Rituale" - mit denen ich mir den Alltag erleichterte.
Die fallen mir erst auf, wenn ich mir darüber Gedanken mache.

 

3. Hast du für besondere Tage (Silvester, Weihnachten, Geburtstag, Sonntag, ...) ein Ritual?

Durch meinen Dienst an Sonn- und Feiertagen gibt es selbstverständlich ein relativ festes Ritual.
Das hat vor dem Gottesdienst schon seinen relativ festen Ablauf: Tasche packen, Unterlagen sichten, durch den Seiteneingang in die Kirche gehen, in der Sakristei mit Mesner, Lektor_in oder Kantorin noch einmal den Gottesdienst besprechen und gemeinsam beten.
Selbstverständlich kann sein, wenn etwas besonders ist, dass sich dann manches ändert.

 

4. Gibt es Rituale, die du vermisst oder vermisst hast? (-> die es gab, als Du Kind warst und die irgendwann aufgehört haben?)

Wir hatten früher mit unseren beiden Töchtern ein "Zu-Bett-Geh"-Ritual.  Vater oder Mutter sind dann am Bett gesessen.
Wir haben ein paar Seiten vorgelesen und dann gemeinsam zwei Lieder gesungen. "Der Mond ist aufgegangen" war immer dabei.
Ich nachhinein erinnere ich mich an ganz intensive Momente. Aber Kinder werden halt erwachsen.


5. Welches Ritual würdest du gerne an andere weitergeben?

Ja, da spricht dann schon der Pfarrer in mir: Ich glaube das Ritual "Sonntagsgottesdienst" würde ich gerne anderen ans Herz legen:  Sich besonders anziehen, mit den Glocken zur Kirche kommen.
Die Kerzen sehen, die Orgelmusik hören, einfach nur da sein - nichts zu müssen.
Und dann mit meinen Gedanken den Worten der Gebete, Lesungen und der Predigt folgen und dabei aber auch immer wieder abschweifen dürfen.  Es kann schon sein, dass ich dann "angerührt" werde oder mich "ergriffen" fühle.
Beim Segen aufstehen und auf den Altar schauen. Und mit der Musik im Ohr heimgehen ...
Das Ritual "Sonntagsgottesdienst" muss nicht nach meinem Geschmack gestrickt sein. Ich muss auch nicht zu allem, was da geschieht, eine Meinung haben. Ich kann einfach nur da sein, Zeit haben für die Seele und darauf achten, was in mir weiterarbeitet, Resonanz hat.
Wenn es im Alltag recht hektisch und vielleicht belastend zugeht, ist das eine große Chance.

 

Kim Titzmann (Dekanat Wunsiedel) antwortet so:

1. Wie sieht ein ganz normaler Morgen bei dir aus?

Ich stehe auf. Dann mach mich fertig. Also duschen, Haare machen, bisschen Make Up. Anschließend frühstücke ich und gehe in die Arbeit.

 

2. Gibt es bestimmte Rituale, die dich begleiten?

Ohne Zähneputzen kann ich früh das Haus nicht verlassen 😅 Das wurde mir als Kind so beigebracht, und ich fühle mich unwohl, würde ich vor dem Rausgehen nicht die Zähne putzen.

 

3. Hast du für besondere Tage (Silvester, Weihnachten, Geburtstag, Sonntag, ...) ein Ritual?

Sonntag waren wir immer bei meiner Oma zum Essen eingeladen. An Weihnachten gehen wir mit der ganzen Familie in die Kirche und besuchen den Weihnachtsgottesdienst. Alle kommen zusammen und genießen die gemeinsame Zeit.

 

4. Gibt es Rituale, die du vermisst oder vermisst hast? (-> die es gab, als Du Kind warst und die irgendwann aufgehört haben?)

Nach dem Sonntagsessen waren meine Schwester und ich immer bis in den Nachmittag bei meiner Oma. Zusammen waren wir dann in der Eisdiele und sind im Fichtelgebirge rumgefahren.

 

5. Welches Ritual würdest du gerne an andere weitergeben?

Wir sollten regelmäßig dankbar sein, für die Dinge, die einem das Leben schenkt.

 

Wir bedanken uns sehr herzlich bei Herrn Pröbstl, Miriam, Mona, Kim und Norbert für das Mitwirken!

Und wir wünschen euch spannende und schöne Gespräche über Rituale und Familientraditionen!

 

Yvonne Meier

 

 

 

Pfingsten in Bobengrün

Die Zeit um Pfingsten ist eine besondere Zeit für mich. Es ist die Zeit zwischen Frühling und Sommer. Der Zeitpunkt, an dem man das erste Mal gut barfuß gehen kann. Wo die Obstbäume abblühen, aber so satt grün sind, dass man den rosa Blüten kaum nachtrauern kann.

Ich erlebe Pfingsten normalerweise in Bobengrün auf der Pfingsttagung. Generationen von Christen treffen sich in Bobengrün, setzen sich in der Natur sich auf Berghänge, Wiesen und Wälder, um Pfingstgottesdienste zu feiern. Dazu kommen Prediger und Referenten aus der ganzen Welt und erzählen von ihrem Glaubensweg, ihren Abenteuern mit Gott. Viele Glaubensbekenntnisse und Zeugnisse habe ich dort gehört, Worship- Abende mit den Fackelträgern erlebt, gebetet, gecampt, gesungen, unter freiem Himmel Zähne geputzt und mit den anderen Volleyball und Indiaca gespielt (Ist dort sehr wettbewerbsfähig, die verschiedenen Jugendgruppen organisieren jährliche Turniere und haben eine Mordsgaudi!).

Ich bin in diesen Ort und diese Tradition hineingewachsen und wahrscheinlich verbinde ich deshalb Pfingsten mit Natur, mit lebendigen Glaubenszeugnissen, mit flammenden Reden über das Wirken des Heiligen Geistes. Genau das ist Pfingsten für mich: Die Feiertage des Heiligen Geistes. Die Tage, an denen wir uns erinnern, dass wir brennen dürfen für Gott, das wir sprudeln dürfen vor Staunen über seine Werke.

Ich habe bei den Predigern in Bobengrün keine Feuerflammen auf den Köpfen gesehen. Und auch wenn hauptsächlich deutsch und englisch dort gesprochen wird, sind weiterhin Dolmetscher nötig, damit jeder alles verstehen kann. Ich muss die Sprache nicht verstehen, um Überzeugung und Freude verstehen zu können, der Heilige Geist tut seinen Teil dazu.

Hoffentlich ist die Pfingsttagung Bobengrün nächstes Jahr wieder analog und unter Bäumen möglich! 2020 kann sie leider nur eingeschränkt und digital stattfinden. Eine Übertragung der Gottesdienste findest du auf der Internetseite. Uhrzeiten und Übertragung unter: https://www.pfingsttagung-bobengruen.de/  Ganz dicke Empfehlung von mir!

Yvonne Meier

Pfingsten

Pfingsten - was ist das?

Ich erinnere mich noch sehr gut an einen Moment im Religionsunterricht, es war in der 9. oder 10. Klasse (okay, so gut erinnere ich mich dann wohl doch nicht mehr), da fragte uns die Lehrerin, was wir Christen eigentlich an Pfingsten feiern. Und wir saßen da, allesamt mit offenen Mündern – manche vor Langeweile, manche, weil wir uns wunderten, dass wir zwar alljährlich zwei Wochen Ferien deswegen bekämen, aber keine Ahnung hatten, wieso eigentlich.

Ja, was ist Pfingsten? Der Name ist...nichtssagend. „Pfings-ten“. „Pfing-sten“? An Weihnachten geht’s wenigstens irgendwie um eine „geweihte Nacht“, an Christi Himmelfahrt um, naja, die Himmelfahrt Christi eben, aber an Pfingsten? „Pfing“ hat etwas Lautmalerisches, als würde man eine lose Saite zupfen, „sten“ klingt angelsächsisch – aber wirklich weiter bringt es mich beim Verständnis nicht.

Dann wurden wir aufgeklärt: An Pfingsten feiern wir, dass der Heilige Geist auf die Erde kam und den Jüngern, die nach Jesu Kreuzigung und Himmelfahrt die Gemeinde in Jerusalem leiteten, die Fähigkeit gab, das Evangelium allen Menschen zu verkündigen, und sie in die Welt aussandte – deswegen wird Pfingsten oft auch als „Gründungsdatum“ der Kirche angesehen.

Wie könnten wir hier, im Tropfer, Pfingsten also besser feiern als indem wir Dir ein paar Tipps an die Hand geben, wie Du das Evangelium verkündigen kannst?

 

Reden und Handeln

„Evangelium verkündigen“ klingt...doof, irgendwie, ich weiß. Und altbacken. Und nach ewigen, einschläfernden Predigten. Das ist aber genau unsere Aufgabe als Evangelische Jugend: „Das gemeinsame Ziel ihrer Arbeit besteht darin, als mündige und tätige Gemeinde Jesu Christi das Evangelium von Jesus Christus den jungen Menschen in ihrer Lebenswirklichkeit zu bezeugen“, heißt der zweite Satz der Ordnung der Evangelischen Jugend in Bayern (OEJ), unserer kirchenrechtlichen „Verfassung“.

Wenn Du gerne über Jesus redest, biblische Geschichten erzählst und Menschen mit deinem Auslegen des Evangeliums mitreißen und überzeugen kannst, ist das großartig, mach weiter so! Viele von uns (mich eingeschlossen) haben dieses Talent aber nicht, und wenn wir uns daran versuchen, dann wird das eher langweilig und uninteressant. Und sind wir mal ehrlich: Damit locken wir dann auch niemanden hinter dem Ofen (oder eher Handybildschirm) hervor.

Deswegen steht in der OEJ aber ja auch das Wort „tätig“: Verkündigung funktioniert nicht nur durch Worte, sondern auch durch Taten – manchmal sogar besser. Ich kann lange darüber reden, wie gut und wichtig es wäre, Menschen zu helfen, aber solange ich es nicht tue, merken sie davon nix. Aber in dem Moment, in dem ich meine Worte in die Tat umsetze, kommt die Botschaft bei ihnen an.

Bei uns in der EJ funktioniert meiner Erfahrung nach ganz viel über die Gemeinschaft. In Jugendgruppen und Gremien, auf Freizeiten und Fortbildungen, mit Kindern und Erwachsenen – egal wo wir sind oder was wir machen, immer sind wir zusammen, essen gemeinsam, spielen gemeinsam, arbeiten gemeinsam, lachen gemeinsam, unterhalten uns und schlafen auch nicht in Einzel-, sondern Mehrbettzimmern. Und wie sagte schon Jesus? „Wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen“ (Mt 18,20) – wenn wir als Evangelische Jugend als Gemeinschaft leben, dann können wir uns sicher sein, dass Gott dabei ist. In unserer Gemeinschaft haben wir aber ja nicht nur viel Spaß und werden satt, sondern wir vermitteln und leben auch den vielleicht elementarsten Wert des Christentums: Die Nächstenliebe. Und ich bin überzeugt: Wenn die sich in den Köpfen und Handlungen der Menschen festgesetzt hat, dann ist schon ganz viel gewonnen.

 

Andacht gestalten – aber wie?

Andachten – auch so ein Klassiker in der EJ. Aber wie mache ich das am Besten? Kann ich irgendwas falschmachen? Gibt es eine perfekte Andacht, die ich einfach kopieren kann?

Vorneweg zur Beruhigung: Wirklich etwas falschmachen kannst Du eigentlich nicht. Solange die Andacht sich stimmig anfühlt, Gott, ich sag mal, „drin vorkommt“, und Du das rüberbringen konntest, was du vermitteln wolltest, passt alles. Also mach Dir da keine Sorgen und trau Dich!

Die Stimmung

Es gibt so eine typische „Andachtsstimmung“, finde ich, da kann man sich entspannen, zur Ruhe kommen, seine Gedanken zurück- und sich selbst voll auf das Kommende einlassen. Aber wie erzeuge ich die?

Da gibt es kein Geheimrezept – leider. Aber grundsätzlich gilt: Eine Andacht braucht Zeit und Raum. Das heißt, mal eben zwischen Tür und Angel ein paar Gedanken in die Runde werfen funktioniert meistens eher schlecht, und auch während einer Fackelwanderung wird es vermutlich schwer, alles so rüberzubringen, wie man es gerne getan hätte. Deswegen mach Dir vorher Gedanken, wo Du Andacht feiern möchtest (und kannst): Sitzkissen auf dem Boden? Um ein Lagerfeuer? Auf einer Wiese im Wald? In der supergemütlichen Couchecke? In der Kirche?

Dann geht’s ans Dekorieren. Keine Angst, ich habe davon auch keine Ahnung, deswegen kann ich Dir versichern: Manchmal ist weniger mehr. Für manche Andachten sind wunderschöne, hoch getürmte Mitten voller Glassteinchen und Teelichter perfekt, für andere reicht auch eine einfache Kerze, und wieder andere brauchen vielleicht sogar gar nichts. Gestalte so, wie es sich für Dich richtig anfühlt, und glaub mir, dann ist es perfekt.

Die Musik

Singen macht Spaß. Und gehört zu Kirche auch irgendwie dazu, keine Frage. Aber was macht man, wenn man weder Singen noch ein Instrument spielen kann? Freilich kann man freundlich fragen, irgendjemand ist ja meistens dabei, der wenigstens eins der beiden Sachen kann – aber was wenn nicht? Dann eben nicht. Nicht jede Andacht braucht Musik und Gesang, Du kannst Deine Message auch wunderbar ohne rüberbringen.

Was auch oft funktioniert ist ein Lautsprecher: Gerade zum Ankommen kann es hilfreich sein, leise etwas ruhige Musik zu spielen, um zu verdeutlichen, dass jetzt keine Zeit ist für laute Gespräche, für wildes Toben und clownmäßige Showeinlagen.

Die Message

Das Schwierigste: Worüber schreibe ich? Was will ich vermitteln? Was und wie und überhaupt?? WIE GEHT DAS?!

Hui, ganz ruhig. Prinzipiell gilt: Wenn Du sagst, es ist eine Andacht, und es wird als Andacht wahrgenommen, dann ist es auch eine Andacht. Du musst Dir also keine Sorgen machen, dass Du eine wissenschaftlich-theologisch einwandfreie Auslegung von Gen 38,6-10 abliefern musst, das geht auch viel niederschwelliger.

Du kannst zum Beispiel über ein Lied sprechen: Welche Bedeutung hat etwa Don’t Look Back In Anger von Oasis für Dich und Deinen Glauben? Wieso findest Du, dass Hey Jude von den Beatles wunderbar zur Botschaft des Neuen Testaments passt? Welche zutiefst christliche Botschaft findest Du in You Need To Calm Down von Taylor Swift?

Und was mit Liedern geht, geht auch mit allem anderen: Du kannst Andachten halten über Batterien, Zahnpasta, Europaletten, Fensterscheiben, Grashalme, Fortnite, Schulhefte,... – glaub mir, Du kannst Andachten über wirklich alles halten. Wenn Du mit offenen Augen durch die Welt gehst, wirst Du überall Inspiration finden können.

Oder Du hast eine Bibelstelle, die Du richtig gut findest. Vielleicht ist es eine Geschichte, die Dir schon lange gefällt, vielleicht hast Du auch einen guten Vers in den Tageslosungen gefunden. Und darüber kannst Du reden – ja, das kannst Du, glaub mir! Wie genau Du das machen sollst – schwer zu sagen. Probiere es einfach aus, auch verschiedene Stile, finde raus, was sich für Dich richtig anfühlt.

Und der ganze Rest

In einer Andacht sind Deiner Kreativität keine Grenzen gesetzt: Du kannst Bauklötze mitbringen, Du kannst Aktionen einbauen, bei denen geschrieben und gedacht und diskutiert wird, Du kannst die Andacht auch in Etappen aufteilen und entlang einer Nachtwanderung halten, Du kannst Blumentöpfe bepflanzen lassen, Du kannst ein Spiel oder eine Sportaktion einbauen, Du kannst...Du kannst wirklich so ziemlich alles machen, was Du willst.

 

Ich sag’s abschließend nochmal: Wenn Du sagst, es ist eine Andacht, und es wird als Andacht wahrgenommen, dann ist es auch eine Andacht. Was darin passiert ist relativ egal, solange Du das rüberbringen kannst, was Du vermitteln willst.

 

Fabian Lauterbach